Vier erlebnisreiche Tage in der alten Heimat.


Anläßlich unseres letzten Treffens im April diesen Jahres planten wir Amwalder und Neuschlosser Heimatfreunde im Juli eine Fahrt nach Militsch. Spontan meldeten sich vierzig Freunde zur Teilnahme. Unser Freund Heinz Bogusch setzte sich umgehend mit unserem treuen Dolmetscher Stefan in Militsch in Verbindung, der alle organisatorischen Dinge wie Unterkunft, Verpflegung und Tagesprogramme regelte.

Am 10. Juli war es soweit. Mit einem modernen Reisebus fuhren wir erwartungsvoll und frohgelaunt in Richtung alte Heimat. Die Abfertigung am Grenz Übergang Ludwigsdorf dauerte etwa 20 Minuten, und weiter ging die Fahrt über Bunzlau, Lübben, Steinau, Wohlau, Obernigk und Trebnitz nach Militsch. Dort wurden wir herzlich von Stefan empfangen und in unser Quartier, das Internat der Forstschule, gebracht. Während einer Kaffeetafel im Speisesaal neben der Schloßküche, die auch für unser leibliches Wohl sorgte, wurden wir mit dem Ablauf der kommenden Tage bekannt gemacht.

Nachdem wir uns mit dem bekannten Streusel-, Mohn- und Käsekuchen und einer Tasse Kaffee gestärkt hatten, fuhren wir noch am seIbenTage in unsere Heimatdörfer. Dort wurden wir freundlieh von den polnischen Einwohnern empfangen. Wir konnten feststellen, daß seit unserem letzten Besuch vor zwei Jahren viel für Ordnung und Sauberkeit getan worden ist. Fast alle Häuser wurden renoviert, und in einigen Dörfern sind neue Häuser entstanden.

Am nächsten Tag stand eine Fahrt durch das Naturschutzgebiet mit seinen vielen Teichen und den seltenen Vogelarten auf dem Programm. Mit einem Fahrzeug der Teichwirtschaft und einem kundigen Begleiter fuhren wir auf den schmalen Wegen durch die herrliche, urwüchsige Landschaft. Auf der »Großen Grabofnitze« tummelten sich unzählige Wasservögel wie Bläßhühner, Wildenten und Schwäne. Ab und zu schwirrte ein Fischreiher oder eine Rohrweihe über unsere Köpfe, sogar einen Seeadler konnten wir beobachten. Unser Begleiter berichtete, daß sehr viele Kormorane die Teiche bevölkerten und oft sehr viel Schaden anrichten. Ganz leise pirschten wir uns an ein Lager von Wildgänsen heran, die ihre Brut behüteten. Trotz unserer Vorsicht schreckten sie auf und flogen davon, kamen aber nach kurzer Zeit schon wieder zurück.


Erinnerungen an die Kinderzeit wurden wach, denn auch da haben wir solche Erlebnisse gehabt. Doch jetzt im Alter erlebt man vieles viel bewußter und ist ein wenig dankbar und stolz, daß wir dieses herrliche Fleckchen Erde unsere Heimat nennen können. In allen Dörfern haben Storchenfamilien ihre Nester gebaut. Ihr Geklapper konnte man schon in einiger Entfernung hören.


Nach dem Mittagessen in Zduny fuhren wir über Erlgrund, Guhre, Rackelsdorf, Altenau und Steffitz an das Waldbad in Karlstadt zum Kaffeetrinken. Ein Spaziergang durch Militsch beschloß den Tag. Müde von den vielen Eindrücken schliefen wir bald ein und wachten erst auf, als uns wieder herrlicher Sonnenschein begrüßte.

Nach dem Frühstück besuchten wir den Militscher Wochenmarkt. Beim Anblick des herrlichen Gemüses, der vielen Beeren und Pilze lief einem das Wasser im Munde zusammen. Den Vormittag verbrachten wir noch einmal in Amwald und Neuschloß. Wir erfuhren viel Interessantes und mußten uns gegen Mittag leider schon wieder von unseren Heimatdörfern verabschieden.

Am Nachmittag besichtigten wir die Schrotholzkirche in Hochrode. Der Pfarrer machte uns mit der Geschichte der Kirche vertraut und beantwortete auch einige Fragen. Anschließend fuhren wir über Schönkirch, WiesenthaI, Sulmierschütz, Bartnig, Kollande, Wildbahn, Podasch, Grabofnitze, Brandetal, Nesselwitz, Weinberge durch die unendlichen, herrlichen Wälder wieder nach Militsch zurück. Etwas wehmütig beschlossen wir den letzten Tag unserer Reise und packten unsere Koffer. Ein letzter Rundgang durch Militsch und eine fröhliche Runde beschlossen unseren Aufenthalt in der alten Heimat.

Am nächsten Tag, unserem Abreisetag, standen wir eine Stunde früher auf. Nach dem Kaffeetrinken bedankten wir uns bei unserem Dolmetscher und unseren Gastgebern, und nach dem obligatorischen Gruppenbild vor unserer Unterkunft traten wir die Heimreise an. Über Breslau, Schweidnitz, Hirschberg, Lauban und Görlitz, wo wir auf dem Polenmarkt unsere letzten Zloty ausgaben, fuhren wir zurück nach Geringswalde. Wir dankten unserem Fahrer, der uns sehr gut betreute und sicher wieder zurückbrachte.

Unser besonderer Dank gilt wie immer unserem Heimatfreund Heinz Bogusch, der die Fahrt wieder hervorragend vorbereitet hatte. Alle Reiseteilnehmer waren sich einige, daß diese Fahrt - es war bereits die fünfte - die schönste und für manche von uns wohl die letzte war, an die wir immer dankbar zurückdenken werden.

Für alle Reiseteilnehmer Herta Band


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