2. Beschreibung des Ortes und seiner bedeutesten Bauten



Name der Stadt.

Der Name Militsch, in alten Urkunden auch Milich (1136), Mylicz (1245) genannt, ist wie alle alten Ortsnamen unserer Gegend slawischen Ursprungs.

Fr. Lucae leitet in seinen »Schlesischen curiosen Denkwürdigkeiten« vom Jahre 1689 das Wort aus einer alten Sage her. Danach sollen in dieser unwirtlichen Gegend früher viele Räuber gewesen sein, die die reisenden Kaufleute überfielen und plünderten. Die Gefangenen gaben sie gegen ein Lösegeld wieder frei, bei dessen Empfang sie den Warnungsruf ausstießen: miliza (polnisch), zu deutsch: schweigen.


Stadtwappen und -farben.

Das Stadtwappen stellt den heiligen Georg dar, wie er hoch zu Roß den ihm entgegenzüngelden Lindwurm mit der Lanze durchbohrt. Die Schützenfahne, die mit diesem Wappen geschmückt war, wurde 1813-15 von den durchziehenden Russen, die in St. Georg ihren Nationalheiligen verehren, mit kreuzschlagen begrüßt.

Die Stadtfarben sind weiß und gold. Am 16. Oktober 1856 trugen sie die Schützen über ihrer neuen Uniform an Königs Geburtstag.


Das städtische Weichbild.

Die Grenze des alten städtischen Weichbildes bildete im Norden und Osten der Flußlauf der Bartsch, im Süden und Westen der sogenannte »Mühlgraben«, ein Arm der Brande, eines linken Nebenflusses der Bartsch. Nach Norden hin schloß die Stadt am Brückenübergange der Bartsch das »polnische«, im Süden da, wo die heutige Breslauerstraße den Mühlgraben überschreitet, das »Breslauer« oder »deutsche Tor« ab.

Der älteste Teil der Stadt ist, wie der Name schon sagt, der »Altstadtbezirk«. Hier liegt auch die Stadtpfarrkirche, und einst soll hier auch das »alte Rathaus« gestanden haben. Die Altstadt darf als die Heimstätte des ältesten städtischen Gemeinwesens bezeichnet werden. Heute rechnet man zum Altstadtbezirk die sehr winklige Langestraße mit ihren Quergäßchen: Kirch-, Schlabitzer-, Wiesen- und Schmiedestraße, außerdem noch die Töpfer- und die Breslauerstraße.

Es existiert leider nur nur ein einziger Stadplan aus neuerer Zeit, eine Karte von der Feldmark Militsch aus den Jahren 1862-65, angefertigt von dem Königl. Feldmesser Sauermann.

Das gesamte Stadtgebiet umfaßte 1892 einen Flächenraum von 721ha 64a 20qm, davon entfallen auf

Ackerland 427 ha 53 a 40 qm
Gärten
5 ha
15 a 70 qm
Wiesen 183 ha 80 a 20 qm
Weideland
33 ha
77 a 60 qm
Holzungen
15 ha
44 a 10 qm
Wege, Eisenbahnen
23 ha
1 a
10 qm
Hofräume
21 ha
62 a
-
Wasser, Flüsse, Bäche
10 ha
60 a 40 qm
Ödland
-
69 a 70 qm


Die evangelische Gnadenkirche.

Die evangelische Gnadenkirche "zum hl. Kreuz" hat in den 200 Jahren ihrer Geschichte schon manche Umgestaltungen erlebt. Ihre ursprüngliche Gestalt vom Jahre 1709 ist uns in einem Holzschnitt überliefert, von dem noch mehrere Exemplare erhalten sind (eines in der Sakristei). Es fallen bei dieser Zeichnung sogleich folgende Unterschiede gegenüber der heutigen Gestalt auf. Der Kirchturm von 1709 ist schlanker und höher und weist einen doppelten Helm und eine Galerie auf. Der alte Turm, der wegen Baufälligkeit im Jahre 1783 abgetragen wurde, hatte bis zum Knopf eine Höhe von 88,5 Ellen (58,6872 m), der neue 1789 errichtete ist nur 46,683 m hoch. Auch zeigt das Kirchendach von 1709 seitliche Teildächer, die heute durch ein großes Schleppdach ausgeglichen sind.

Im übrigen ist die im Bindewerk errichtete Gnadenkirche noch in ihren Umrissen und in ihrem Aufbau völlig erhalten. In vieler Beziehung erinnert sie an die Friedenskirche in Schweidnitz, die in nur etwas glänzenderer Gestalt den alten schlesischen Fachwerkbau repräsentiert. Der Grundriß hat die Form eines regelmäßigen Achtecks. Es liegt also deutlichdie Gestalt eines Kreuzes vor, worauf auch der Name der Kirche hinweist. Ein von Osten nach Westen laufendes Längs- oder Hauptschiff (33,30 und 7, 50 m) wird von einem von Süden nach Norden sich erstreckenden, etwas kürzeren Querschiff (30,20 m) in der Mitte rechtwinklig geschnitten. Die Zwischenräume zwischen den Armen des Kreuzes sind durch rechteckige Anbauten ausgefüllt. Die Kanzel steht in der linken oberen Ecke des Kreuzes, der Altar an der Spitze, die Orgel am Fuße des Kreuzes. Über dieser Grundfläche erhebt sich das Kirchengebäude, getragen von hölzernen Säulen (Höhe von Fußboden bis Decke 10,50 m, von Decke bis Dachfirst 9,50 m). Die äußeren Kirchenwände sind nur Füllwerk, das Dach ruht vollkommen auf den Säulen, auf deren Tragfähigkeit alles ankommt. Die außerordentlich kunstvolle Dachkonstruktion, die auch die Gediegenheit des verwendeten Holzmaterials noch heute an den Tag legt, ist ein Hängewerk.

Wer das Gotteshaus zum erstenmal betritt, ist zunächst erstaunt über die großzügige Anlage, die vorzüglichen Lichtverhältnisse trotz des Aufbaus von drei Emporen, indem fast die ganze Lichtflut vom Altarraum dem Beschauer entgegenströmt, sowie über die ausgezeichnete Ausnützung des Raumes.

Der ganze Raum ist in einfachem, schmucklosen Weiß gehalten, von dem sich nur Altar, Kanzel und Orgel in lebendigerer Ausführung (blaugrau mit Vergoldungen) wirkungsvoll abheben.


Das Kriegerdenkmal

Am 18. Oktober 1873 wurde an der Südseite der evangelischen Gnadenkirche zum Gedächtnis der in den Feldzügen 1866 und 1870/71 gefallenen Krieger ein schmuckes Siegesdenkmal errichtet. Eine schlanke Säule aus weißem Marmor, gekrönt von einem aus Erz gegossenen, gelb getünschten fliegenden Adler, steht auf einem viereckigen, massiven Postament, in dessen Seitenflächen eiserne Gedenktafeln mit erhabener Schrift eingelassen sind.

Die Südseite trägt folgende Inschrift:

Gewidmet den in den Kämpfen der Jahre 1866 und 1870/71 für das Vaterland Gestorbenen des Kreises Militsch-Trachenberg

Die Westseite: 1870 und 1871

Hptm. Viktor Kursawe von Trachenberg
Pr.-Lieutn. Graf Siegfried von der Recke Volmerstein von Kraschnitz
Sec.-Lieutn. Prinz Stan. v. Hatzfeld von Trachenberg
Sec.-Lieutn. C. Heider von Sulau
Sec.-Lieutn. Fr. W. Seemann v. Grüneich

Gr.-Bargen Fr. Wutke Duchawe Fr. Moch
Beichau
W. Steinadler
Dziatkawe C. Kiesewetter
Brustawe Rob. Kühn " C. Pflaum
" W. Heider
K.-Ellguth
Aug. Scholz
Bogislawitz C. Rothkugel Gontkowitz W. Wißgott
Bratschelhof Gottl. Garbe Grebline C. Mende
" C. Stibane Gugelwitz E. Scholz
Casawe Fr. Hartebrod " Rob. Schwirten
" Aug. Lachmann Goitke Aug. Steinadler
" W. Pechnig Gollkowe Gottl. Nikolaitzig
" Fr. Bartlog Gürkwitz C. Walther
Codlewe H. Roßdeutscher Guhre C. Pluntke
" Ferd. Hantke Hammer-Sulau C. Gabler
Collande Christ. Pfennig Heidchen Gottl. Ludwig
Charlottenberg B. Reichelt " Aug. Scheider
Dambitsch Gottl. Gabler Gr.-Kaschütz Jos. Erbe
D.-Damno Ferd. Rohr " Gottl. Scheurich
Dammer Gottl. Milde " Aug. Bengner
Duchawe C. Kuste    

Ostseite: 1870 und 1871

Hermenau Ant. Fischer Liatkawe Chrn. Scharf
Kuschwitz Fr. Zerbuntke Gr.-Lahse Jos. Saremba
K.-Lahse Cr. Gudert Powitzko Heinr. Suchantke
Lunke Aug. Sprigode Protsch W. Kleindienst
Militsch W. Weiß Prausnitz Frd. Nitschke
" Rob. Fulde Radziunz Jos. Reichelt
" Gust. Marx " Herm. Preiß
" Herm. Körner " Aug. Nierke
" C. Reußner Rakelsdorf C. Köhler
" Ad. Löchel Schlabitz Gottl. Troche
" Emil Hänel Schlabotschine C. Tretschok
" Gust. Maurer " Gottfr. Kiesewetter
" Gust. Riedel Strebitzko Gottl. Fitzner
Mislawitz W. Weiß Sandraschütz W. Kroksch
Melchowitz C. Belkner " C. Kroksch
Neuvorwerk Chr. Stibane Schwendroschine R. Sturm
Neuschloß W. Weiß " Heinr. Bloy
Nesigode W. Ludwig Tschotschwitz C. Schruttke
" W. Bucksch Trachenberg Ferd. Weber
Neudorf-Sulau Gottl. Hein " Alfr. Rössel
" Fr. Scholz N.-Woidnikowe G. Dittmann
Postel Heinr. Scharn Wildbahn Fr. Gensorek
Pomorske C. Mohaupt " Fr. Jäschke
Peadauschke C. Ibsch
Powitzko A. Matuschke

Nordseite: 1866

Charlottenberg Aug. Keil Protsch Aug. Kleindienst
Dammer Gottl. Peter Schwentroschine C. Spritulle
Grebline Gottl. Suckale " Ferd. Driemel
Heidchen Ferd. Gassau Schlabitz C. Behnisch
" Rob. Weber Sandraschütz C. Stanelle
Gr.-Kaschütz Gottl. Harte Trachenberg Paul Thiele
K.-Krutschen Gottfr. Geisler " Gottl. Schreiber
Militsch Rob. Endtricht " Herm Wiegner
Postel Aug. Kotzerke Wirschkowitz C. Wagner
Sulau W. Blümel " Aug. Wagner
" W. Stanisch Zwornogoschütz A. Schubert
Schwiebedawe Gottl. Schmidt
" Karl Kupke
" Ferd. Kupke
" Ferd. Kahlfuß


Das königliche Landratsamt

Das heutige Landratsamtsgebäude, früher "die alte Post" (Posthalter Holm), an der schönen Lindenstraße gelegen, wurde am 5. Januar 1875 für 11500 Taler vom Kreise Militsch erworben. Es enthält im unteren Stockwerk die Bureauräume mit dem Kreisständesaal, im oberen die Wohnräume für den königlichen Landrat. Der Bau eines neuen, geräumigeren Gebäudes bleibt der Zukunft überlassen.

Im Ständesaal hängen die Porträts der ehemaligen Landräte: Baron von Richtofen, Geheimrat von Heydebrand und der Lasa und seines Sohnes, des Dr. jur. Heydebrand und der Lasa auf Klein-Tschunkawe.

Die Namen der hier amtierenden Landräte sind auf einer Tafel verzeichnet:

Christoph Siegmund von Lüttwitz auf Grebline 1742 - 1747
Ernst Wilhelm von Kessel auf Nesselwitz 1750 - 1787
Gottlob Sylvius Wilhelm von Koschembahr in Militsch 1788 - 1801
Sylvius von Franckenberg auf Nieder-Woidnikowe (Wiesenthal) 1802 - 1817
Ferdinand von Busse auf Wangersinawe interimistisch bis 1819
Freiherr von Richthofen in Militsch 1822 - 1833
von Scheliha auf Labschütz 1833 - 1859
Geh. Rat von Heydebrand und der Lasa (Vater) 1860 - 1886
Dr. von Heydebrand und der Lasa Klein-Tschunkawe (Sohn) 1887 - 1895
Graf von Stosch 1895 - 1907
von Grolman auf Zwornogoschütz von 1907





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